Zukunft von Aus- und Weiterbildung in der Evaluation

10 Jahre Masterstudiengang Evaluation an der UdS und HTW

Donnerstag, 11. Juni und Freitag, 12. Juni 2015

Universität des Saarlandes, Saarbrücken

29.09.2015

Zukunft der Aus- und Weiterbildung in der Evaluation

Am 11. und 12. Juni 2015 haben die Hochschule für Technik und Wirtschaft sowie die Universität des Saarlandes anlässlich des zehnjährigen Bestehens ihres gemeinsamen Masterstudiengangs Evaluation eine Tagung veranstaltet.

 

In Vorträgen und Podiumsgesprächen wurden die Herausforderungen der Zukunft für die Aus- und Weiterbildung in der Evaluation thematisiert (Programm).

Als zentrale Ergebnisse der Tagung lassen sich  zusammenfassen:

 
1. Die Entwicklung der Aus- und Weiterbildung ist eng gekoppelt mit der Entwicklung der Evaluation und den durch ihre Auftraggeber generierten zukünftigen Herausforderungen. Entlang der gesellschaftlichen Funktionen von Evaluation ergibt sich folgendes Bild: Im Rahmen der Managementfunktion von Evaluation ist diese zu einem Lern- und Steuerungsinstrument für organisatorische Entscheidungsprozesse avanciert. Es wird erwartet, dass damit verbundene Themen wie Projekt-/Programmplanung und-Management, Qualitätsmanagement, Konzepte der lernenden Organisation, aber auch von Good Governance, an Bedeutung gewinnen werden. Die Legitimitäts-/Accountability-Funktion verlangt vor allem nach einer breiten Kenntnis unterschiedlicher Evaluationsansätze (Theorien), Untersuchungsdesigns und Erhebungs- und Auswertungsmethoden. Die Aufklärungsfunktion, die den demokratischen Dialog fördern soll, bedarf unabhängiger Evaluationseinheiten und  zusätzlich einer Stärkung der partizipativen Methoden (Vortrag Prof. Dr. Reinhard Stockmann).
  2. Obwohl die Evaluation in den letzten beiden Jahrzehnten in Europa boomt wie nie zuvor, ist die systematische akademische Aus- und Weiterbildung nicht gesichert. Es gibt nur fünf Studiengänge in Europa, die seit mehr als zehn Jahren existieren. Dazu gehört auch der Saarbrücker Evaluations-Master (Vortrag Dr. Verena Friedrich, Vortrag Prof. Dr. Dieter Filsinger/Sandra Schopper).   

3. Weitgehend einig waren sich die Teilnehmer/innen darüber, dass es eine Pluralität an Aus- und Weiterbildungsangeboten geben sollte. Neben einem breit angelegten akademischen Master wurde auch dafür plädiert, Evaluations-Module in andere sozialwissenschaftliche Studiengänge zu integrieren und ein nicht-akademisches Angebot zu offerieren, das auf die Bedürfnisse spezieller Zielgruppen (z.B. Auftraggeber, politische Entscheidungsträger) eingeht (zu den Anforderungen aus Sicht sozialer Dienstleistungen (Vortrag Prof. Dr. Michael May). Nach dem seit über zehn Jahre angebotenen Fortbildungsprogramm Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit (FEEZ) und dem von Haushaltskürzungen bedrohten Saarbrücker Master gibt es in Deutschland keine weiteren systematischen Aus- oder Weiterbildungsangebote.

 

 

 

 

4. Eng mit dem Lehrkanon für die Evaluation in der Aus- und Weiterbildung ist das Selbstverständnis der Evaluatoren/innen verbunden. Wer und was wollen sie sein? Welches professionelle Verständnis haben sie, welchem Rollenbild folgen sie, etc.? Wie grenzt sich Evaluation von benachbarten Feldern ab? Für die Professionalisierung der Evaluation wichtige Fragen, die weiterhin einer Klärung bedürfen.

Bei der Professionalisierung der Evaluation nimmt die "Gesellschaft für Evaluation" (DeGEval) mit derzeit 600 persönlichen und 160 institutionellen Mitgliedern eine zentrale Rolle ein. Die Zeitschrift für Evaluation (Auflage derzeit 1.400 Exemplare) und der Masterstudiengang Evaluation in Saarbrücken sind weitere Pfeiler einer Professionalisierung. Dazu muss auch das Deutsche Evaluierungsinstitut DEval gezählt werden, das mit dem Auftrag, unabhängige Evaluationen durchzuführen, um die Wirksamkeit eines Politikfeldes zu überprüfen, eine in Deutschland einmalige Einrichtung in der politischen Institutionenlandschaft ist. Es wurde empfohlen, das DEval und die 160 institutionellen Mitglieder der DeGEval stärker für das Lobbying im politischen Prozess zu nutzen (Zur Zukunft der Professionalisierung - Vortrag Caroline Heider). 

Kurzinterview mit Caroline Heider Caroline Heider - World Bank Group, Washington

 
  5. Die Internationalisierung der Evaluation wurde als besonders wichtig für die Entwicklung der Aus- und Weiterbildung sowie die Professionalisierung der Evaluation bezeichnet. Die internationale Zusammenarbeit bereichert die eigene Arbeit um andere Sichtweisen, Themen, Ansätze und Methoden etc. Mit Unterstützung des BMZ, der giz, des DEval und des DAAD sollen das Evaluation Capicity Development und Hochschulkooperationen ausgebaut werden. Ein gemeinsam mit dem CEval entwickelter Blended Learning Master of Evaluation, der inhaltlich auf dem Saarbrücker Evaluationsmasters beruht, soll an Universitäten in Uganda, Costa Rica, Guatemala und weiteren Ländern eingeführt werden. Ein deutsches Pendant soll am Distance and Independent Study Center (DISC) der TU Kaiserslauern etabliert werden. (Zum Evaluation Capacity Development in der internationalen Zusammenarbeit - Vortrag Dr. Stefanie Krapp). 

 

 

Prof. Dr. Reinhard Stockmann

 

Kurzinterviews

Ernst Karl H. - Absolvent der 3. Kohorte des 'Master of Evaluation'

Tilman Welte - Student der 10. Kohorte des 'Master of Evaluation'

Freddy Emmanuel Ndongbou Nkenglifak und Saidou Ouedraogo - Studenten der 10. Kohorte des 'Master of Evaluation'